von Julia Gerlach
Diese Woche sind noch zwei Veranstaltungen des Musikinstituts am ZKM zu erleben: ein Gespräch und ein Konzert.
Am Donnerstag, 15.09.2011 18 Uhr im IMA | lab stellen Werner Dafeldecker (auch als Musiker von Polwechsel bekannt, die im April am ZKM ein Konzert gaben) und Valerio Tricoli (Gründer von the Bowindo label/collective, und der avant-rock combo 3/4HadBeenEliminated) ihr Projekt Williams Mix Extended vor. Anhand der von John Cage selbst erstellten minutiös ausgearbeiteten Partitur zur ersten Tonbandkomposition von John Cage produzieren die beiden Musiker derzeit mit einem Gastkomponistenstipendium des IMA eine zweite Version des historischen Werkes. John Cage schrieb »This is a score (192 pages) for making music on magnetic tape.« Für die Realisierung des vierminütigen Stückesbenötigten Cage und seine Helfer David Tudor und Earl Brown seinerzeit ein ganzes Jahr. Seitdem wurde nur einmal der Versuch gestartet eine neue Fassung durch Algorithmen zu generieren, die jedoch nicht erfolgreich war. Werner Dafeldecker und Valerio Tricoli haben sich für eine expanded Fassung entschieden, die Partitur wird in 10-facher Ausdehnung realisiert. Die Arbeitsweise – bei Cage gibt die Partitur ein Schnittmuster des Tonbandes wieder – ist zwar digital aber auch manuell, denn die Schneidevorgänge werden wie von Cage selbst einzeln vorgenommen. Wie sie es genau machen und welche Klänge sie wann und wie verwenden und welche unterschiedlichen Aufführungskonzepte (z.B. mit einem Video von Lillevan) sie mit dem Stück verknüpfen, werden sie am Donnerstag preisgeben und diskutieren. Wer sich das Original schon vorher anhören möchte, kann dies bei der Internetplattform medien kunst netz tun unter:
http://www.medienkunstnetz.de/werke/williams-mix/bilder/1/
Am Freitag, 16.09.2011 21 Uhr werden im Konzert »Global Creativity« erstmals die im Rahmen des europäischen Projektes »Ambiant Creativity« entstandenen Kompositionen der drei Stipendiaten Jérôme Bertholon, Omer Chatziserif und Damian Marhulets im Kubus präsentiert. Die drei Stipendiaten aus Griechenland, Frankreich und Deutschland sind durch verschiedene Workshops an den Projekt-Institutionen ACROE – Association pour la Création et la Recherche sur les Outils d’Expression (Frankreich), an der Ionian University (Griechenland) und am ZKM | Institut für Musik und Akustik (IMA) umfassend im Umgang mit unterschiedlicher Software zur Klanggenerierung, und –steuerung sowie ihrer Spatialisierung geschult worden. Wer die drei im Frühjahr bereits erlebt hat, wird sich erinnern, dass sie dennoch außerordentlich individuell komponieren und starke Affinitäten zu analogen elektronischen Geräten haben, die kunstvoll mit den digitalen Mitteln verbunden werden. Im dem Konzert am Freitag wird die Spatialisierung im ZKM-Klangdom eine wesentliche Komponente sein, seit einer Woche schon arbeiten die drei Komponisten im Kubus die räumlichen Feinheiten aus. Neben Einzelkompositionen präsentieren Jérôme Bertholon, Omer Chatziserif und Damian Marhulets am Ende des Konzertes ein Gemeinschaftswerk. Wer schon vor dem Konzert ans ZKM in Karlsruhe kommen möchte, kann bereits ab 19 Uhr im Foyer und im »Museum für Neue Kunst« die Eröffnung der Ausstellung »The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989« miterleben. An der umfassenden Ausstellung zu Effekten der Globalisierung für die Kunst, die in den vergangenen drei Jahren entwickelt wurde, ist das IMA ebenfalls mit einem Beitrag beteiligt. Zu dem Werk “trans_actions”, einer Visualisierung von Kunstaktivitäten in einem Panorama Screen, haben Ludger Brümmer, Holger Stenschke, Tobias Scherer und Götz Dipper die Klangebene gestaltet. Das Konzert im Kubus beginnt dann nahtlos um 21 Uhr.