ZKM | Musik Aktuell

Woche 04 / 23.1.-29.1.06 - Woche 06 / 06.2.-12.2.06

Teil 1 Sendung der edition ZKM CD-Reihe:

CD 06:
Gerhard Stäbler: Karas.Krähen (22:37)
Mayumi Miyata spielt Gagaku (14:39)
Gerhard Stäbler: Palast des Schweigens (25:42)

CD 07:
Elena Kats-Chernin: Unceremonious Processions: 15 short studio pieces (45:25)


Teil 2 Werke von Gastkünstlern am ZKM | Institut für Musik und Akustik:

Sintaro Imai

Die Zwitschermaschine
für Flöte und Elektronik (2003)
Hanna Petermann, Flöte
(Mitschnitt der Uraufführung im ZKM-Kubus, 18.9.2003)

Glitchdesign (2003)
tape-Stück

Lautsprechermusik
für 5 verschiedene Lautsprecher
(Mitschnitt der Uraufführung im ZKM-Kubus, 18.9.2003)

Shintaro Imai (1974) was born in Nagano, Japan. He studied composition and computer music with Takayuki Rai, Erik O–a and Cort Lippe at the Sonology Department of Kunitachi College of Music. After completing his post graduate study in Tokyo, he was invited to attend the Course of Composition and Computer Music at Ircam (Paris) where he studied composition with Philippe Hurel. Between 2002 and 2003 he was the recipient of a grant from the Japanese Agency for Cultural Affairs, and worked as a guest composer at ZKM Institute for Music and Acoustics in Karlsruhe, Germany. In 2004, he was artist-in-residence at the DAAD Berlin, and worked as a guest composer at the Electronic Music Studio TU Berlin.
As well as composing purely instrumental pieces, he has developed a real-time algorithmic sound-generating system by means of extended granular sampling techniques, which he called "Sound Creature". His music is related to the organization of microscopic movements of noise inherent in any given natural sound.
He was awarded a "Residence Prize" at the 26th International Electroacoustic Music Competition of Bourges in 1999, and invited to be composer-in-residence at the Swiss Center for Computer Music in Zurich in December 2000. His awards include the First Prize and "Special Prize for Young Composer" at MUSICA NOVA 2000 International Electroacoustic Music Competition in the Czech Republic, and "EARPLAY Composers Prize" at EARPLAY 2001 Composers Competition in USA. His works have also been selected and performed at numerous international festivals and conferences including International Computer Music Conference 1999 in Beijing and ISCM World Music Days 2002 in Hong-Kong.


Matthias Ockert
stretto
für 8-Kanal-Tonband
ZKM | Institut für Musik und Akustik 2005
Dauer: 26:55

Der Titel wurde von dem musikalischen Begriff "stretto" inspiriert, der die Engführung von Themen in einer Fugenexposition beschreibt. Er bezieht sich auch auf das "Stretto House" des amerikanischen Architekten Steven Holl. An dessen Architektur, Zeichnungen und Texten faszinierten mich die unmittelbare starke sinnliche Ausstrahlung und die Integration von Gegensätzlichem. €hnliches habe ich in meiner Komposition umzusetzen versucht. Zuerst habe ich aus eigenen Aufnahmen von akustischen und elektrischen Gitarrenklängen 12 klangliche Einheiten komponiert - inspiriert von folgenden 12 Begriffen aus Holls Essay "Intertwining" ("verweben"):

- fluid space in motion ("flüssiger Raum in Bewegung")
- olfactory ("Geruchs...")
- haptic realm ("den Tastsinn betreffenden Bereich")
- torsion ("Torsion" - mathematischer Begriff für die Windung einer Kurve)
- primordial experience ("Urerfahrung")
- molecular attraction ("molekulare Anziehung")
- concreteness of sensation ("sinnliche Gegebenheit der Wahrnehmung")
- mass in tension ("Masse in Spannung")
- time is duration ("Zeit ist Dauer")
- porous horizon ("poröser Horizont")
- continous open flux ("kontinuierlich offener Fluß")
- counterpoise ("Gleichgewicht")

Mit diesen klanglichen Einheiten habe ich dann die Komposition instrumentiert. Dabei habe ich den Begriff "stretto" in gegensätzlicher Weise aufgefasst: Einmal in seiner ursprünglichen italienischen Bedeutung als "eng, gedrängt" - hier habe ich die klanglichen Einheiten bis in mikrozeitliche Partikel zerlegt und daraus teils neue Klänge generiert. Zum anderen habe ich die Wortähnlichkeit von "stretto" zum englischen Begriff "stretch" (dehnen) aufgegriffen und einzelne klanglichen Einheiten bis hin zu neuen Klängen gedehnt. Durch die Komposition zieht sich ein Band von Impulsen, deren Abstandsdichten mit mathematischen Funktionen moduliert worden sind. Entlang dieses Bandes habe ich die klanglichen Einheiten miteinander verwoben - teils frei, teils algorithmisch programmiert - und damit die gesamte Komposition als Übergang zwischen gedrängten und gedehnten Zuständen gestaltet.
Matthias Ockert


Robert Normandeau
Palimpseste
akusmatisches Werk für 16 Lautsprecher, hier zu hören in der stereo Version, revidierte Fassung Sommer 2005
Für Anick

Dieses Werk ist der vierte und letzte Teil des Zyklus "Onomatopeias", an dem ich 1991 zu arbeiten begann. Die ersten drei Werke des Zyklus befassen sich mit Kindheit, Jugend und Erwachsensein, während das vierte eine Hommage an das Alter ist.
Genau wie die ersten drei Stücke ist auch dieses in fünf Elemente gegliedert, die durch unterschiedliche musikalische Parameter gekennzeichnet sind.
Rhythmus bestimmt einen langsamen Tanz, Timbre steht für Meditation, dynamische Unterschiede für Wut, musikalische Weite für Müdigkeit, Textur für Weisheit.
Der Titel "palimpseste" benennt eigentlich ein antikes Pergament, auf dem mehrfach geschrieben wurde, wobei der ursprünglich vorhandenen Text ausradiert wurde, da Pergament ausgesprochen wertvoll war.
Diese Vorstellung übertrage ich auf mein Werk. Als zuerst geschriebenen, jetzt ausradierten Text übernahm ich die Zeitstruktur der vorangegangenen Werke. Diese ist also im Hintergrund vorhanden, wenn auch nicht unmittelbar sichtbar.
Überschrieben ist sie mit einer neuen Lage aus Klängen, wie sie in den vorigen Werken des Zyklus nicht vorkamen.
In "Palimpseste" verwende ich ausschließlich vokale Klänge, und besonders onomapoetische Klänge, da diese -losgebunden von einer spezifischen Bedeutung- ein Gefühl oder eine Stimmung unmittelbar darstellen können. Die Aufnahmen mit Christian Gressier, Eberhard Geyer und Gabriela Lang fanden in Deuschland statt, die mit Andrée Lachapelle und Christiane Pasquier in Québec.

"Palimpseste" ist ein Auftragswerk des ZKM, wo es während des Festivals "trans_canada - Tendenzen in Akusmatik und Soundscapes" am 13.02.05 uraufgeführt wurde.
Besonders bedanken möchte ich mich bei Sabine Breitsameter und Ludger Brümmer. Finanziell unterstützt wurde ich ebenfalls von der CALQ und dem CAC.
Robert Normandeau, Übersetzung Susanne Wurmnest


Hören Sie Mitschnitte aus dem vielfältigen Konzertbetrieb im ZKM-Kubus sowie künstlerische Eigenproduktionen des ZKM | Institut für Musik und Akustik.