Sounds only

Rüdiger Rüfer und Hans Mittendorf

Woche 06 / 06.2.-12.2.06 und Woche 08 / 20.2.-26.2.06

Rüdiger Rüfer war von 1961 bis 1973 Tonmeister des EM-Studios der TU Berlin. Er wirkte in dieser Zeit mit bei der Realisation von Werken der Komponisten Boris Blacher und Hans-Werner Henze. Ab 1974 war er Dozent für elektroakustische Medien und Tonmeister an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Die Sendung zeigt eine Werkschau seiner elektronischen Stücke der letzten 30 Jahre.

Beschreibung der für das Webradio eingesandten Kompositionen:

Strahlenfächer (1971) Dauer: 15:31
Das von Boris Blacher erdachte Thema besteht aus einem Ton (c'), der sich innerhalb von 1 Minute über Glissandos zu einem Akkord (c'd'e'g'b'c"cis"es"fis"gis"h"c''') aufspreizt. Dieser wurde zunächst durch Generatorklänge, die allerdings nie in der ursprünglich vom Gerät gelieferten starren Form, sondern stets "lebendig" moduliert erscheinen, realisiert. Dieses Gebilde, das zunächst wie eine Grafik (Vorlage für Blacher war übrigens ein Plakat mit auseinanderstrebenden Linien), dann aber auch wie ein dreidimensionaler Körper wirken kann, wird nun auf vielfältige Weise variiert: Bald glaubt der Hörer, den Fächer seitenverkehrt zu hören, bald erkennt er ihn an c' gespiegelt, bald findet er ihn in Fragmente, in kurze arpeggioartige Ausschnitte aufgelöst, oder er glaubt, direkt auf seine Spitze zu sehen, so daß die Klänge nach rechts und links auseinanderzustreben scheinen. Auch hinter einer Wolke von flüsternden Impulsen verbirgt er sich, die wiederum nichts anderes sind als seine nach oben frequenzversetzten Mikroausschnitte. Nur im Schlußteil wird vorübergehend die Variationsform verlassen. Einschübe früherer Elemente verbinden bisher Gehörtes zu einer Einheit.

Schöpfung (1981-85) Dauer: 17:36
Dies ist eine Musik über die noch nicht vom Menschen beeinflußte göttliche Schöpfung. Sie wurde zum überwiegenden Teil aus Naturlauten klanglich gestaltet, ist jedoch keineswegs nur naturalistische Geräuschzusammenstellung, wie sie etwa als "Untermalung" eines Kulturfilms Verwendung finden könnte. Es wurde vielmehr nach in der Musik bewährten Prinzipien komponiert: Themen werden aufgestellt und weiterentwickelt. Sie ziehen sich wie eine Richtschnur in allen möglichen Formen wiedererkennbar durch das Stück hindurch. Die Musik ist deutlich formal gegliedert: es gibt Einschnitte, variierte Wiederholungen, Kontraste und andere wohlbekannte Gestaltungsmittel. Und doch wirkt vieles recht neu und ungewohnt: Das Hauptthema wird als Folge von klingenden Wassertropfen vorgestellt. Als weiteres Thema dient die mit zunächst einem Sechzehntel der normalen Bandgeschgwindigkeit wiedergegebene Gesangsstrophe eines Fitislaubsängers. Der Umgang mit vielstimmigen Farbflächen, die Umwandlung und hineinkomponierte Raumverteilung der Klänge (Das Original ist vierspurig) sind typisch "elektronische" Mittel.

Weg und Abgrund (1985-90) Dauer: 21:12
Diese Komposition ist als Fortsetzung meiner "Schöpfung" zu verstehen. Hier geht es um den Menschen, darum, wie er fühlt, denkt, tanzt und musiziert, aber auch in freudloser Umgebung arbeitet und schließlich seine Umwelt und damit seine Lebensgrundlage schädigt und sogar zu zerstören droht. Wichtigster klanglicher Ursprung und gleichzeitig Symbol für den Menschen, das, was das Handeln der Menschheit charakterisiert, sind - die Laute eines Brummkreisels. Was man solch einem Gerät schon ohne weitere Bearbeitung entlocken kann, ist von einer faszinierenden Vielfalt. Bei der Gestaltung der Musik durch elektronische Hilfsmittel stehen nicht so sehr die "Verfremdungen" im Vordergrund, sondern mehr solche Methoden, die zu natürlich wirkenden oder scheinbar unveränderten Klangbildern führen. Der Aufbau der Komposition paßt wenig in die überlieferten Schemata der musikalischen Formenlehre und ist doch deutlich erkennbar gegliedert. Nach einer Art Reprise mischen sich zunehmend zerstörerische Geräusche und auch Sprache hinein, welche die Aussage des Stückes verdeutlichen.

Das Bleibende (1992-98) Dauer: 36:16
"Schöpfung", "Weg und Abgrund" und diese Musik hängen inhaltlich zusammen. (Ich habe das Ganze auch als Symphonie bezeichnet.) In "Das Bleibende" wird versucht, die in "Weg und Abgrund" angesprochenen, höchst bedrohlichen Entwicklungen als Teil eines großen göttlichen Planes zu verstehen. Ich habe mich dabei an schriftlich vorliegende Zeugnisse aus dem neuen Testament als geistige Grundlage gehalten. Sprache in verständlicher Form, aber auch als unverständliches Lautfragment, spielt also eine tragende Rolle. Musikalische Themen erscheinen bald in wuchtig instrumental wirkenden Klangkombinationen, bald von einem Chor gesungen. Diese Themen hören wir einzeln oder im mehrstimmigen Chorsatz, auch kontrapunktisch miteinander verwoben oder weiterverarbeitet. Unabhängig davon spielt der Parameter Klangfarbe in dieser Musik eine ganz wichtige Rolle. Einzelklänge, Klanggewebe, Klangflächen untermalen nicht nur den Text, sondern sie deuten ihn aus, werden ihm als Kontrapunkt gegenübergestellt, sind in Struktur und Bewegung Träger von Emotion, Spannung und Entspannung. Und dies geschieht vor allem durch ihre fein auf den jeweiligen Wortinhalt abgestimmte Färbung. In einigen Abschnitten steht die Komposition der Klänge bzw. Geräusche für sich allein - ohne gesungenes oder gesprochenes Wort. Alles dient letzten Endes aber der Aussage: Gottes Handeln ist für uns unfaßbar und oft unverständlich - aber gut. Das Aufgreifen von Themen aus "Schöpfung" und "Weg und Abgrund" verdeutlicht den Zusammenhang der drei Kompositionen.

Wasserleben (2000-2004) Dauer: 19:28
Eine Komposition für Violine und Wassergeräusche - paßt das zusammen? Was hat mich veranlaßt, diese scheinbar unüberbrückbaren Klangwelten ineinanderzufügen? Die Solistin, Frau ëupkov‡, hatte langjährige Erfahrungen mit elektronischen Klangveränderungen. Sie spielt u.a. auch auf einer Geige mit elektrischer Klangabnahme, was besondere Farbvarianten ermöglicht, so daß die Verwendung ihrer vielfältigen Violinklänge in einer Komposition reizvoll erschien. Warum aber Wasser als Gegenspieler der Geige? Beide erzeugen im Gegensatz zu Generatorklängen in hohem Maße und in ähnlicher Weise ständig bewegte "lebendige" Laute, sind also in dem Punkt durchaus verwandt. Daß die Geige einen harmonischen Klang erzeugt, Wasser dagegen mehr geräuschhaft ist, bietet sowohl den Reiz der Gegenüberstellung als auch die Möglichkeit, beide Lautwelten mit Hilfe elektronischer Mittel zu ungewohnten Klängen zu vereinen. Die Musik enthält große Gegensätze: So wird z.B. wild Bewegtes unerwartet von spannungsfreier Ausgeglichenheit abgelöst. Vielleicht kann die Komposition dazu beitragen, uns die wunderbare Vielfalt des Lebens - auch mit Hilfe der sich gewissermaßen lebendig verhaltenden Violin- und Wasserlaute - bewußt zu machen.

Woche 07 / 13.2.-19.2.06 und Woche 09 / 27.2.-05.3.06

Hans Mittendorf

Gesang der Winde 8'30
Adagio 3'30
Singularity 3'37"
Voyager 16'
Transformation 1'36"
Electrio 6'30"
Himalaya 7'58"
Plateau 6'24"
Bamboo 4'


Hier werden Produktionen aus Archiven der Elektroakustischen Musik, wie z.B. dem Archiv der DEGEM oder dem IDEAMA- und dem DEGEM-Archiv des ZKM, dem Archiv des elektronischen Studios der TU Berlin sowie anderen internationalen Archiven und Dokumentationen elektroakustischer Kunst unter verschiedenen Aspekten präsentiert.