Studioforum

Woche 03 / 16.1.-22.1.06 - Woche 09 / 27.2.-05.3.06

Lange Nacht der elektroakustischen Musik
Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar
29. Oktober 2005


Studio für elektroakustische Musik - Hochschule für Musik Weimar
Neue Werke aus dem SeaM

Ludger Kisters
Takutaku- a story line, Teil 2
Stereophone Version von 8-Kanal Audio, 9:16 min, 2004/2005
Während meines einjährigen Aufenthalts in Aotearoa/Neuseeland nahm ich verschiedenste Klänge auf, von alltäglichen Umgebungsklängen bis hin zu Interviews und Konzertmitschnitten. Wieder in Weimar, verwob ich diese Tonaufnahmen im SeaM zu einem vielschichtigen elektroakustischen Klangbild meiner Erinnerung. Eine wichtige Bedeutungsebene stellt dabei meine Begegnung mit der Musikkultur der Maori, der indigenen Bevölkerung Aotearos, dar. So ist Takutaku der Name für improvisierte Lieder, mit denen traditionelle Musikinstrumente mir vorgestellt wurden. Einige dieser Instrumente, Taonga puoro (Klangschätze) genannt, sind im Original oder als Bearbeitung zu hören, z.B. Purerehua (Schwirrholz), Putorino (hölzerne Mischform aus Flöte und Trompete), Hue puru wai (Kalabassenklänge), Tumutumu (Perkussion mit Steinen, Knochen oder Hölzern). In diesem Sinne thematisiert die Komposition den Zusammenhang von Verstehensprozessen und selektiver, kulturell geprägter Wahrnehmung. Mein grosser Dank gilt Horomona Horo, Ngawara Gordon und Richard Nunns für ihre Unterstützung.
Ludger Kisters, geboren 1975, studierte Komposition bei Michael Obst, elektroakustische Komposition bei Robin Minard und Schulmusik an der HfM "Franz Liszt" Weimar. 2003-04 absolvierte er ein Aufbaustudium bei John Psathas und Jack Body an der Victoria University of Wellington, Neuseeland, und beschäftigte sich intensiv mit traditioneller Maori-Musik. Seit 2004 ist er Stipendiat der Graduiertenförderung der Musikhochschule Weimar und besucht ein Aufbaustudium Komposition bei Robin Minard. Außerdem nahm er an Kompositionskursen teil (IRCAM, Royaumont). Ausgezeichnet wurde er 2005 in Bourges mit dem "Prix Residence", 2003 mit dem Franz-Liszt-Preis und dem Wellington City Council Music Prize und 2000 erhielt er den 1. Preis im internationalen Kompositionswettbewerb des Freistaates Bayern.

Ina Rosenstock, Constantin Popp
culicidae
2-Kanal Audio, 4:00 min, 2005
"culicidae" ist eine digital erzeugte Animation basierend auf analogem Rohmaterial. Sie setzt sich zusammen aus zwei verschiedenen Animationskomponenten: einer Hintergrundanimation und einer Charakteranimation. Ohne einen Schnitt, ohne Zoom oder Verwendung von Effekten bewegt sich der sichtbare Bildauschnitt vier Minuten lang an einer Landschaft aus Pflanzen vorbei: eine Kamerafahrt entlang eines Landschaftspanoramas. So wie die Bildelemente durch Herauslösung aus ihrer Herkunft eine Abstaktion erfahren, verfährt die dazugehörige Filmmusik ebenso mit ihren Elementen. Klänge eines Windspiels spielen ohne Wind, klassische/synthetische Instrumente ohne ihre gewöhnte Spielweise/Artikulation. Es ergeben sich neue Ebenen, die Bewegungen des Bildes beschreiben und weiterentwickeln, um neue Bedeutungen anreichern.
Constantin Popp, geboren 1980, studierte 2 Jahre Musikwissenschaft an der HfM "Franz-Liszt" Weimar, danach begann er das Kompositionstudium bei Robin Minard. Er schrieb für verschiedene Theaterproduktion die Musik bzw. Klangräume, darunter für das Weimarer Nationaltheater für die Produktion "zeit zu lieben zeit zu sterben". Sein Werk "glimpses" wurde in Auftrag gegeben des Via-Nova e.V. 2005 war er Solist der "jungen Philharmonie Thüringen" am selbstprogrammierten "virtuellen Onde-Martenot". Außerdem ist er Mitglied im Deutschen Komponistenverband. Nebenbei ist er seit mehreren Jahren technische Hilfskraft im Bereich "Webapplikationsprogrammierung" im Forschungsprojekt "Die Musik des Trecento".

Blazej Dowlasz
encoded pulses
Stereophone Version von 8-Kanal Audio, 11:00 min, 2005
Als Ausgangsmaterial für das Stück wurde ausschliesslich Rauschen verwendet, aus dem, mit Hilfe der Granularsynthese, kurze Impulse ("....pulses") generiert wurden; ein Material, das sich durch seine Neutralität unbegrenzt frei"formen und verfremden lässt. Aus diesem, durch verschiedene Bearbeitungsprozesse veränderte Klänge, entstehen abstrakte Räume, Klangflächen und Landschaften die manchmal wegen ihrer Lautstärke und zeitlicher Gestaltung interessante Wahrnehmungsprozesse hervorrufen ("encoded....").
Geboren am 29.05.1978 in Lodz (Polen), studierte er Klavier an der Karol Szymanowski HfM in Katowice (Polen) 1997-1999. Seit September 1999 ist er Student an der HfM "Franz-Liszt" Weimar - zuerst Richtung Klavier, wo er im Juli 2002 sein Künstlerisches Diplom erworben hat und ab 2002 Komposition bei Prof. Robin Minard (SeaM). Seit 2002 Mitglied des Ensemble für Neue Musik via nova in Weimar und Mitglied im Deutschen Komponistenverband, Landesverband Thüringen. Seine früheren kompositorischen Erfahrungen stammen vor allem aus der Theatermusik. Theaterstücke mit seiner Musik wurden bei mehreren Festivals vom Theater "Arlekin" vorgestellt und haben Preise gewonnen. Obwohl seit 2002 Schwerpunkt seiner kompositorischen Arbeit im Bereich der elektroakustischen Musik liegt (u. a. "unsichtbar", "Kommunikation", "kalt" und Musik zu zwei von DNT Weimar realisierten Theaterstücken - "Die letzte Unschuld" und "Kühlschrank") komponiert er auch instrumentale Stücke ("Wellen", "Interaktionen Zyklus" u.a.).

sciss / Hanns Holger Rutz
Feld (enthalten auf: Netzhaut E.P.)
2-Kanal Audio, 6:50 min, 2004
Netzhaut (english: Retina) encompasses three pieces and can be associated with three phenomena: 1) The synaesthetic potential of concrete-acoustically rooted sonic material to excite visual images, some continuously changing, others prolonging and therefore becoming an entity closely linked to the piece (such as the titles suggest). 2) Netz (Network) indicating processes in the listener's head that connect disparate elements, even across boundaries of the distinct pieces. 3) Haut (Skin) proposing an interaction between outside and inside, questioning the superficial assumption of a 'naturalistic' character of the pieces. In its compact form designated for 8cm Mini-CD.
Feld (Field) is a contribution to the ChromaticField Recreate project, based on live recordings of the performance trio ChromaticField (Sciss/Unkuentz/Volmar); sonic material from solar powered IC sound modules.
Hanns Holger Rutz (geb. 1977) studierte Kommunikationswissenschaft mit den Schwerpunkten elektroakustische Musik und Musikinformatik an der TU Berlin. Kompositorische Tätigkeit seit 1999; zu den Werken zählen die Alben Stamina (2002), Achronie (2003, Video: Cem Akkan), Residual (2003) und Netzhaut E.P. (2004). Klang-Installationen. Live-Elektronik Projekte solo und als Trio ChromaticField. 2004 Gründung des Labels 'apostrov rec. Seit 2004 künstlerischer Mitarbeiter am SeaM Weimar.

Robert Rehnig
[ohne Titel]
Stereophone Version von 8-Kanal Audio, 10:20 min, 2005
In diesem Stück werden lediglich Zustände bzw. Umwelten dargestellt. Für die Wahrnehmung des Stückes zählt in allererster Linie die Beobachtung des Augenblicks und seines näheren Umfelds.
Geboren 1977, absolvierte Robert Rehnig ein Klavierstudium an der HMT "Felix Mendelssohn Bartholdy" und studiert seit 2004 im Aufbaustudium elektroakustische Kompostion bei Robin Minard an der HfM "Franz-Liszt" Weimar. Seit 2000 entstanden diverse elektroakustische Arbeiten im installativen und Bühnenmusikbereich, u.a. "SeeUngeheuer" (2000), Musik für eine Tanzperformance (Regie: Friederike Köpf) im Rahmen der EXPO2000 und "Klangturm" (2001), ein temporäre Installation im öffentlichen Raum (beides Auftragswerke der Stadt Markkleeberg).

Christian M. Fischer
Triptychon
Stereophone Version von 8-Kanal Audio, 8:40 min, 2004/2005
Konzept:
Die gesamte Komposition beruht auf der Zahl drei und dem Verhältnis 2:4:1. Sie besteht aus drei zusammenhängenden Teilen, deren rein synthetische Klänge mit jeweils verschiedenen Techniken aus drei verschiedenen Softwares generiert sind. Die Idee dabei war auf der einen Seite Klänge zu schaffen, die möglichst künstlich klingen und diese mit Klängen die natürlich Klingen oder zumindest an Klangereignisse erinnern, die In der Natur vorkommen.
Inhalt:
Daraus ergibt sich ein Spiel mit dem Kontrast zwischen alt und neu, indem zunächst vor allem "Klassische" granulare Klänge vorkommen, die im Verlauf des gesamten Stücks dekonstruiert und von "neuen" Klängen abgelöst werden. Gleichzeitig werden den deutlich synthetischen Klängen natürlich wirkende Klänge und organische Strukturen gegenüber gestellt. Diese Kontrase stellen die Frage nach den Grenzen zwischen Natur und Künstlichkeit. Die Wahrnehmung dieser Grenzen und damit ein differenzierter Umgang mit den uns umgebenden Klängen und Medien soll in Frage gestellt werden.
1973 geboren, 1995-2000 Ausbildung und Arbeit als Fotograf in Heilbronn. Von 2000 - 2004 Studium der Mediengestaltung an der Bauhaus-Universität in Weimar (Diplom Juli 2004). Dabei ständige Arbeit im SeaM der HfM Franz Liszt. Seit Oktober 2004 Ergänzungsstudium der elektroakustischen Komposition bei Prof. Minard. Christian M. Fischer ist Mitglied im DKV. Seit 2005 wohnt ihm eine Lehrtätigkeit an der Bauhaus-Universität inne. Er arbeitet multimedial. Seine Arbeit umfasst DVD-Produktionen, Fotografien, Klang-Installationen, elektroakustische Konzertstücke und Hörspiele.


Deutschen Gesellschaft für elektroakustische Musik (DEGEM)
Portraitkonzert

Florian Zwißler
Doppelbrunn
Stereophone Version von 4-Kanal Audio, 6:50 min, 2004 / 2005
Florian Zwißler, geboren 1976 in Stuttgart, absolvierte von 1995-2002 das Studium der Musikwissenschaften, Philosophie und Linguistik in Tübingen und Köln und studiert seitdem Elektronische Komposition am Institut für Computermusik und Elektronische Medien (ICEM) der Folkwang-Hochschule Essen. Er schrieb Musik für verschiedene Film-, Video- und Installationsprojekte und realisierte jüngst mit der Gruppe "Prospect Park" die musikalischszenische Produktion "Every Computer is Red" am ZKM Karlsruhe und am Hebbel-Theater Berlin. Florian Zwißler lebt in Köln.

Marc Behrens
Untitled Song
2-Kanal Audio, 6:50 min, 2004
Das Stück ist Teil eines CD-Projektes mit dem Titel "Untitled Songs - 49 years from Gesang der Jünglinge (2005-1956)", das in diesem Jahr beim portugiesischen Label Sirr erschienen ist. Es wurde ausschließlich aus bearbeiteten Feldaufnahmen von Feuern konstruiert (Gas, Holz, Kohle, Torf), die in Holland, Irland und Italien zu verschiedenen Zeitpunkten entstanden. Die Komposition reflektiert die Idee des auslotbaren Raumes (soweit dies in einer Zweikanal-Repräsentation auf CD möglich war) - der vielleicht wichtigste Aspekt im Stück Stockhausens: durch extreme Frequenzen, welche die Dimensionen des Frequenzraumes markieren und durch voneinander getrennte Klangentitäten, die ihrerseits die Grenzen des physikalischen Klangprojektionsraumes markieren (in der Zweikanal-Version). Die Idee, aus Feuer entstandene Klänge zu verwenden, ist die einzige Entscheidung, die von Stockhausens Textauswahl für "Gesang der Jünglinge" herrührt - es ist das figurative Weiterbestehen des Feuerofens ohne jedwede Jünglinge.
Marc Behrens (D/KREV), geboren 1970 in Darmstadt, lebt seit 1991 in Frankfurt a.M., während 2003 in Grimacco, IT. Behrens studierte Kommunikationsdesign und Produktgestaltung und war immer in mehr als einem künstlerischen Bereich gleichzeitig tätig. Nachdem er seine musikalischen Studien in experimentellen Jazz- und Rockbands in den späten 1980er Jahren begann und während der 1990er eine Reihe von Kassettenveröffentlichungen, Aufnahmen mit akustischen Rückkopplungen und Multimedia-Arbeiten folgten, kann man Marc Behrens am ehesten als 'Klangkünstler' bezeichnen, der in den Bereichen Performance, Installation und mit Klang- und Videoaufnahmen gleichfalls arbeitet. Er beschäftigt sich ebenfalls mit Fotografie und CD-Cover-Design. Behrens hat quer durch Europa, in Nahost, Nordamerika und Ostasien ausgestellt und Konzerte gegeben. Er ist Mitglied der Frankfurter Gesellschaft für Neue Musik (FGNM) und der Deutschen Gesellschaft für Elektroakustische Musik (DEGEM) sowie seit 1997 Bürger des Königreichs Elgaland-Vargaland.


Elektronische Studios aus ganz Deutschland und dem Ausland werden hier portraitiert und stellen ihre aktuellen Projekte, Forschungsvorhaben und Entwicklungsarbeiten vor. Das Studio-Forum dient langfristig dem Austausch zwischen den Studios als Produktionsstätten vielfältiger elektroakustischer Musik und Klangkunst.