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Das
ISCM World Music Festival im DEGEM WebRadio

Mit den CD-Porträts der Reihe EDITION ZEITGENÖSSISCHE MUSIK, die der Deutsche Musikrat seit 1986 bei
WERGO
herausgibt, wird das Schaffen junger deutscher Komponistinnen und Komponisten dokumentiert. Ihnen wird damit oft erstmals die Möglichkeit
gegeben, sich auf Tonträgern einem breiteren Publikum im In- und Ausland zu präsentieren. Einführende Kommentare und Analysen,
der Abdruck der vertonten Texte, sowie Werkverzeichnisse sollen zu einem tieferen Verständnis der Musik und der Gedankenwelt führen,
der sich die jungen Autoren verbunden fühlen.
Weitere Informationen: http://www.deutscher-musikrat.de/index.php?id=692
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik - Collection 1 / WER 65952 / 73:26
Wir beginnen die Dokumentation dieser Reihe mit der ersten Überblicks CD mit den folgenden Titeln:
* Peter Ruzicka, "... Den Impuls Zum Weitersprechen, Wolfram Christ, RSO Berlin
* Jörg Birkenkötter, Spiel/Abbruch, Musikfabrik NRW
* Jakob Ullmann, Komposition Für Violine (Excerpt), Nicolaus Richter De Vroe
* Gerhard Stäbler, Ungaretti-Lieder - III. Landst, Christine Whittlesey
* Adriana Hölszky, Bremer Freiheit, Phase IV (Excerpt), Ensemble Avance Etc.
* F. Raseghi, Zweites Buch Der Farbtonstücke, Christoph Grund
* Nicolaus Richter De Vroe, Lum'q'uart'inance (Excerpt), Streichquartett
* Mathias Spahlinger, 128 Erfüllte Augenblicke (Excerpt), Dietburg Spohr, Walter Seyfart
* Lutz Glandien, Und War Es Noch Still (Excerpt), Ensemble Modern
* Robert HP Platz, Verkommenes Ufer, Szene C/2, Ensemble Modern, Berhard Kontarsky
* Detlev Glanert, Vier Fantasien Für Klavier Op., Alan Marks
* Carola Bauckholt, Treibstoff (Excerpt), Members Of Thürmchen Ensemble
* Detlev Heusinger, Totem + Tabu, Ensemble Der Tage Für Neue Musik
* Johannes Walter, Unruhe, Unsicherheit, Anspannung, Members Of Thürmchen Ensemble
* Annette Schlünz, Ornithopoesie, Thürmchen Ensemble
* Helmut Zapf, Trio, Introitus, Gruppe Neue Musik "Hanns Eisler"
* York Höller, Improvisation Sur Le Nom De Pi, Ensemble InterContemporain
* Johannes Kalitzke, Das Labyrinth Der Lieder (Excerpt), Collegium Vocale Köln
* Klaus K. Hübler, "Feuerzauber" Auch Augenmusik, Ensemble Köln
* Salome Kammer, Dokumentaroper (Excerpt), Ulrike Zech, Helmut Oehring
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik - Collection 2 / WER 65962 / 66:00
Werke:
* Jan Müller-Wieland: Poem des Morgens (Excerpt)
* Claus-Steffen Mahnkopf: Trema I
* Moritz Eggert: Bad Attitude (Excerpt)
II Bad Taste
III Bad Attitude
* Bernfried E.G. Pröve: Alliages-Métaboles (Excerpt)
II Repulsion
* Volker Staub: Suarogate (Excerpt)
* André Werner: IV,1 (Excerpt)
* Claus-Steffen Mahnkopf: Trema II
* Isabel Mundry: Spiegel Bilder (Excerpt)
* Joachim Krebs: 2. Streichquartett Ð Quartettomanie (Excerpt)
* Claus Kühnl: La petite mort (Excerpt)
Vorspiel
Spiegelungen (Excerpt)
* Detlef Heusinger: Von Insel zu Insel (Excerpt)
* Günter Steinke: Durchbrochene Räume (Excerpt)
* Hans-Jürgen von Bose: Symbolum (Excerpt)
* Claus-Steffen Mahnkopf: Trema III
* Babette Koblenz: Walking on the Sun (Excerpt)
Orm Finnendahl
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik / WER 65622 / Erscheinungsdatum: 1. Februar 2006 / 65:25
Werke:
1. Versatzstücke 23:22
für Klavier Solo und 6-Kanal Zuspielung (1999-2005)
Vorspiel
Satz 1
Satz 2
Satz 3
Satz 4
Satz 5
Benjamin Kobler, Klavier
2. Kommen und Gehen 14:30
für Violine Solo und 8-Kanal Zuspielung (2000)
Vorspiel
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Mirijam Contzen, Violine
3. Rekurs 13:16
für Altsaxofon, Schlagzeug, Klavier und Aufnahmegeräte (1997/98)
1. Durchlauf Takt 1
1. Durchlauf Takt 15/2
1. Durchlauf Takt 40
2. Durchlauf Takt 1
2. Durchlauf Takt 15/2
2. Durchlauf Takt 38
3. Durchlauf Takt 1
3. Durchlauf Takt 15/2
3. Durchlauf Takt 38
Sascha Armbruster, Altsaxofon / Pascal Pons, Schlagzeug / Benjamin Kobler, Klavier
4. Fallstudien 14:27
für Kammerensemble (1993)
Takt 1
Takt 26
Takt 59/2
Takt 131
Takt 232
Takt 297/2
Ensemble Mosaik
Ltg. Enno Poppe
Die Logik der Pointe
Orm Finnendahl ist kein musikalischer Humorist. Aber seinen Werken liegen häufig Pointen-ähnliche Wendungen zugrunde,
die den Hörer dort ueberraschen, wo er sich in Sicherheit waehnte. Finnendahl entwirft seine Werke mit Verfahren logischer
Rekursionen, infolge wiederholter Anwendung einfacher Regeln. Dadurch setzt er zunächst in sich stimmige und nachvollziehbare
Prozesse in Gang, die er aber mit Bruchstellen und Fallstricken versieht. In die Muster und Raster schleichen sich Webfehler und
Differenzen ein, die nicht nur als ästhetische Irritationen verständlich werden, sondern dramatische Entwicklungen zeitigen. Wenn
die drei Musiker in Rekurs ihr Spiel auf Tonband festhalten und dann ihre eigenen Aufnahmen begleiten, verstricken sie sich bald
in einem Netz der Vermeintlichkeiten: zwischen Präsenz und Abwesenheit, zwischen Gegenwart und Vergangenem, und zwischen
Ursache und Wirkung. Das Tonband spielt als Medium eine zentrale Rolle in den hier eingespielten Werken, sofern es den
Widerspruch zwischen technischem Fortschritt und ästhetischem Stillstand (der fixierten Schallaufzeichnung) versinnbildlicht, ein
Widerspruch, den Finnendahl musikalisch exponiert und aufhebt. In Kommen und Gehen verschwindet die Violine allmählich hinter
ihrer Reproduktion, um ihren eigenen Klang nur noch hier und da um Nuancen zu bereichern. Und am Ende der Versatzstücke,
dem jüngsten der hier versammelten Werke, steht schließlich nur noch das Rauschen der Stille, hinter dem der Pianist, der sich
zuvor in einer brachialen Kadenz aufgebäumt hatte, vollständig zurücktritt.
Björn Gottstein
Lebenslauf
1963 in Düsseldorf geboren
1983-90 Kompositions- und Musikwissenschaftsstudium bei Frank Michael Beyer, Goesta Neuwirth und Carl Dahlhaus in Berlin
1995-98 weiterführende Studien bei Helmut Lachenmann in Stuttgart
1988/89 Besuch des California Institute of the Arts in Los Angeles
1991-95 Künstlerische Leitung der Kreuzberger Klangwerkstatt
1993-94 Lehraufträge am elektronischen Studio der Technischen Universität in Berlin
1996-2001 Leiter des Instituts für Neue Musik der Hochschule der Künste in Berlin
2000-04 Lehrtätigkeit am Institut für Computermusik und elektronische Medien (ICEM) der Folkwang-Hochschule in Essen
seit 2004 Professur für elektronische Komposition und Leitung des Studios für elektronische Musik an der Musikhochschule Freiburg
Verschiedene Stipendien und Preise, darunter: Gaudeamus Wettbewerb 1988; Kompositionsstipendium des Berliner Senats
1991 und 1995; deutscher Teilnehmer des Rostrum of Composers in Paris 1992; Stipendium der Heinrich-Strobel-Stiftung des
Südwestfunks in Freiburg 1994 und 1997; ausgewählt für das Forum junger Komponisten der GNM und des Ensemble Modern 1996;
Aufenthaltsstipendium der Stiftung Kulturfonds auf Schloss Wiepersdorf 1996; Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart 1997;
Busoni-Preis der Akademie der Künste Berlin 1999, Prix Ars Electronica Linz 2001 und CynetArt Award 2001 in Dresden.
Detlef Heusinger
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik / WER 6531 2 / Erscheinungsdatum: 1995 / 68:24
Werke:
1 Materialermüdung 10:36
für zwei Klaviere (1982)
Kristine Scholz und Mats Persson, Klavier
2 Von Insel zu Insel 12:22
für zehn Instrumente (1986)
Ensemble Modern
Ltg. Detlef Heusinger
3 Totem + Tabu. 04:02
Erste kurze Szene für 6 Celli (1991)
Ensemble der Tage für Neue Musik Hannover
Ltg. Detlef Heusinger
4 Ellipsis 17:32
für kleines Orchester (1988)
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Ltg. Klaus Bernbacher
5 TURM-STÜCKE 23:52
für Orchester und Live-Elektronik (1988/91)
Südwestfunk-Sinfonierochester Baden-Baden
Ltg. Lothar Zagrosek, v
Der von Hans Werner Henze und Klaus Huber ausgebildete Komponist Detlef Heusinger gehört einer Generation an, die nicht auf eine
verbindliche kompositorische Sprache zurückgreifen kann. Für ihn präsentiert sich Serielles oder Postserielles gleichberechtigt
neben Neuer Einfachheit, Neuer Wildheit, neben Minimalismus und Postmoderne.
Der Titel der Komposition "Von Insel zu Insel" ist durch ein gleichnamiges Gedicht von Peter Weiss inspiriert. Heusinger übertrug das Bild
eines suchenden Wanderns auf die musikalische Form. "Inseln" sind in diesem Werk zum einen vier Instrumentalgruppen mit jeweils ihnen
eigenen Klangeigenschaften, andererseits aber auch den einzelnen Gruppen zugeordnete musikalische Figuren, die im Verlauf des Stückes in immer
neuen Mischungen erscheinen.
Bei der "1. Kurzen Szene", einem Ausschnitt aus der Komposition Totem + Tabu wird deutlich, wie das Komponieren in Mikrointervallen,
mit Vierteltönen, die Suche nach neuen musikalischen Zusammenhängen, nach der Erweiterung harmonischer Ordnung für Heusinger
zusehends in den Mittelpunkt kompositorischen Interesses rückt.
In "Ellipsis" wird dieser Traum von harmonischen Zusammenhängen jenseits tradierter Harmonik fortgesponnen.
Die Suite "TURM-STÜCKE" ist aus Heusingers Oper "Der Turm" nach Peter Weiss entstanden; sie ist jedoch mehr als eine bloße
Zusammenstellung der Introduktion und der Zwischenspiele, obwohl mehrere Teile ungekürzt in sie einfließen. Die Polystilistik
erscheint hier als Ausdruck eines Ringens nach musikalischer Freiheit, auch als Ausdruck der Lust an Tabuverletzung.
Detlef Heusinger wurde 1956 in Frankfurt am Main geboren und studierte Gitarre, Laute, Dirigieren, Musikwissenschaft und Komposition in Bremen,
Köln und Freiburg. Wichtigste Lehrer waren FrancisTravis? (Dirigieren), Luciano Ortis, Hans Werner Henze und Klaus Huber (Komposition).
Erhielt für seine kompositorische Arbeit mehrere Preise (u.a. die Förderpreise der Städte Bremen und Stuttgart) und Stipendien
(der Kunststiftung Baden-Württemberg, der Heinrich-Strobel-Stiftung, der Darmstädter Ferienkurse, des Atelierhauses Worpswede, der
Steinbrenner Stiftung der Dramatiker Union und der CitŽ des Arts).
Beteiligte sich zum Teil mit Auftragswerken bei Festivals wie den Darmstädter Tagen für Neue Musik, pro musica nova Bremen,
Steirischer Herbst, Prestaigne Festival (GB), Darmstädter Ferienkurse, Schleswig Holstein Festival, Settembre Musica/Anti? Dogma Festival
Turin, Dresdner Tagen für neue Musik und den Berliner Festwochen.
Unterrichtet seit 1990 an der Hochschule für Künste in Bremen und leitet eine Dirigierklasse bei der Mürztaler Musikwerkstatt.
Außerdem ist er als Regisseur im Tanztheater- und Opernbereich tätig. Lebt als freischaffender Komponist in Bad Soden.
Lutz Glandien
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik / WER 6529 2 / Erscheinungsdatum: 1995 / 63:49
Werke:
cut 11:42
Tonbandkomposition (1988)
Toningenieur: Georg Morawietz
es lebe 12:16
Michael Vogt, Tuba
Toningenieur: Georg Morawietz
weiter so 13:53
fuer Streichquintett und Tonband (1989)
Streichquintett des Ensemble United Berlin
Toningenieur: Georg Morawietz
365 12:10
für Klavier solo (1986)
Steffen Schleiermacher, Klavier
und war es noch still 13:48
fuer Kammerensemble (1989)
Ensemble Modern
Ltg. Paul Daniel
Die vorliegende CD ist dem Komponisten Lutz Glandien gewidmet. Er studierte bei Wolfram Heicking und Georg Katzer und wirkte während
dieser Zeit bei der Dresdner Gruppe "Schicht" - einem der profiliertesten Liedertheater - als Komponist, Musiker und Akteur mit. Sein
Anspruch, dass Musik eine in ihrem Wesen kommunikative Kunst ist, die möglichst oft gehört werden sollte, über die man
nachdenken und sprechen kann, resultiert aus dieser Zeit.
Die Werke auf dieser CD markieren wesentliche Entwicklungen im kompositorischen Schaffen von Lutz Glandien bis zum Herbst 1989. Es sind
Beispiele einer musikalischen Sprachfindung, die in besonderem Maße von den Möglichkeiten und Grenzen des Lebens und Studierens,
der musikalischen Erfahrungen und ästhetischen wie auch ideologischen Auseinandersetzungen in der DDR geprägt wurde. Es ist eine
merkwürdige Einsicht im Rückblick auf dieses an sich selbst zerbrochene Land, dass, verglichen etwa mit dem ehemaligen
Westdeutschland, mit der Schweiz oder …sterreich, diese sozialen Bedingungen so deutliche Spuren in der Eigenart einer Musik hinterlassen haben.
Zugleich aber stehen die hier zusammengestellten Kompositionen, unabhängig von ihrer stilistischen Verschiedenheit, nur für die
eine ästhetische Absicht, die Lutz Glandien für sein eigenes Schaffen als fragwürdig empfindet: für die anonyme,
sich auf niemanden beziehende Musik als Kunstwerk im traditionellen Sinne, das in den sich selbst genügenden Regelkreisen des
Neue-Musik-Konzertbetriebs meist nur einmal ausgeführt wird und danach im Fundus der Musikgeschichte versinkt.
Gisela Nauck
1954 4. Juni, geboren in Oebisfelde (Altmark)
1977-83 Pianist und Komponist des Schicht-Theaters in Dresden
1979-83 Kompositionsstudium an der Hochschule fuer Musik "Hanns Eisler" in Berlin bei Prof. Wolfram Heicking
seit 1983 freischaffend als Komponist tätig
1985-87 Meisterklasse für Komposition an der Akademie der Künste der DDR bei Prof. Georg Katzer
1988-93 Realisierung mehrerer Kompositionen im Studio für elektroakustische Musik der Akademie der Künste zu Berlin
1991 Studienaufenthalt im Experimentalstudio der Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestfunks in Freiburg/Breisgau
1985-92 Studienreisen nach Warschau, Bratislava, Sofia, London, Paris und Bourges
Aufführungen bei Festivals in Paris, Lyon, Aarhus, Frankfurt, Dresden, Leipzig, Warschau, Bourges, Stockholm, Berlin, Witten, Nuernberg u.a.
Veroeffentlichungen bei Recommended Records London, Baerenreiter-Verlag Kassel, Verlag Neue Musik Berlin, Buschfunk Verlag Berlin.
Homepage: home.snafu.de/lutz.g
Dietrich Eichmann
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik / WER 6550 2 / Erscheinungsdatum: 2001 / 75:05
Werke:
Piano Quartet The Late 92 18:55
I 08:44
II 10:10
ensemble ottomani: Véronique Englebert - Claude Ledoux
Brigida Romano - Anne-Michèle Schaack (Klavier)
Stinkfinger-Joe the Mass Murderer Meets Leather-Lilly in Hong Kong's Morning Twilight 15:17
Takashi Yamane, Klarinette - Werner Dickel, Violine
Yutaka Oya, Klavier - Dietrich Eichmann, Ansager
Gunhild Ott, Flöte - Christoph Grund, Klavier
Vorläufig namenlose Komposition 40:53
I 09:37
II 08:26
III 05:31
IV 06:12
V 11:04
Zeitgenössische Musik im Spannungsfeld von improvisiertem Free Jazz, Morton Feldman, Luigi Nono
und vor allem einer ausgeprägten, ganz und gar nicht keimfreien kompositorischen Persönlichkeit -
das ist Dietrich Eichmanns Musik. Er gehört zu jenen Komponisten, in deren Werk sich
undogmatische Freiheit mit einem weiterhin avantgardistischen Anspruch verbindet, der ständig an
den gängigen Hörgewohnheiten auch der Neuen Musik kratzt.
Diese CD zeigt den Weg Dietrich Eichmanns in den 90er-Jahren. Vom rhythmisch prägnanten Werk für
vier Klaviere, das Einflüsse des Jazz und Heavy Metal verrät, bis hin zu einem schwebenden Stück
für Flöte und Klavier, das Erfahrungen mit improvisierter Musik verarbeitet. Keine eingängige
Neue Musik für eine selbst ernannte Bildungselite also, sondern Musik mit einem humanen Anspruch,
die sich als eigenständige Fortentwicklung revolutionärer musikalischer Ansätze der 50er-
und 60er-Jahre versteht. Eichmann erweist sich als Komponist, der einen persönlichen Weg gefunden
hat, eine emotional, intellektuell und menschlich engagierte Musik zu schreiben, die außerhalb
des modernen Mainstream steht und darum immer wieder hörenswerte Überraschungen bietet. Seine
Musik entwickelt Klangräume, Modernität, Atem und humanes Engagement, sie ist äußerst
assoziativ und verarbeitet die Erfahrungen mit einer widerspenstigen Wirklichkeit ebenso
wie jene der existentiellen Einsamkeit. Musik für unsere Zeit also.
Harald Borges
Jörg Birkenkötter
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik / WER 6536 2 / Erscheinungsdatum: 1997 / 63:34
Werke:
Spiel/Abbruch 23:25
für Ensemble und Tonband (1993/94)
musikFabrik - Ensemble für Neue Musik, Ltg. Johannes Kalitzke
Realisation des Tonbandes im Studio für Elektronische Musik des Westdeutschen Rundfunks, Köln
Wiederholte Annäherung 24:43
für Klarinette (auch Bassklarinette), Posaune, Violoncello und Klavier (1992/93)
ensemble avance: Andras Hamary, Klavier - David Smeyers, Klarinette/Bassklarinette Cornelius
Hummel, Violoncello - Michael Svoboda, Posaune
... zur Nähe - voran 15:26
für großes Orchester (1987/88) Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester
Ltg. Dennis Russell Davies
Die CD widmet sich dem kompositorischen Schaffen Jörg Birkenkötters.
Zusammenfassend lässt sich in Birkenkötters Werk etwas von einem Zusammenbruch, von einer
Zertrümmerung der Form, des Gesamtformalen erkennen. Indem nämlich das Werk sich selbst
unterbricht, stellt es sich auch damit selbst in Frage. Nun ist aber dieser Zusammenbruch
der Form gleichzeitig die Neubegründung von musikalischen Gestalten, die noch keine Konvention
besitzen oder zumindest eine solche nicht erkennen lassen. Das Prinzip einer "l'art informelle"
setzt sich neue formale Regeln, die nicht modellhaft ihre Verwendung suchen, sondern
jeweils dem einzelnen Werk das verleihen, was es emotional ausstrahlt: eine Form ohne feste
Kontur. In diesem formal offenen Zustand wird das ausgewählte Material "kompositorisch
ausgehorcht", wie es Jörg Birkenkötter selbst einmal formuliert hat. Aber auch der Hörer wird
ausgehorcht, inwieweit sich radikale Formlosigkeit in ihm beim Wahrnehmen der Werke Birkenkötters
selbst zur neuen Form generiert.
Hans-Peter Jahn
Johannes Kalitzke
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik / WER 6512 2 / Erscheinungsdatum: 1992 / 59:31
Werke:
Macchina d'autunno 18:48
1 Il giorna 08:31
2 La notte 10:17
Tübinger, Jänner 13:07
3 Satz 1 06:03
4 Satz 2 07:04
Das Labyrinth der Lieder für Vokalquintett 26:36
5 Einleitung: Diktat 00:33
6 I Der König 04:04
7 II Der Sänger 09:49
8 III Der Fluss 04:26
9 IV Der Böse Traum 03:35
10 V Die Stadt 04:09
Integration, sagt das Wörterbuch, ist Zusammenschluss, Vereinigung, Summierung. Mir will scheinen,
dass kein Begriff geeigneter sei, das Wesen der Musik von Johannes Kalitzke knapp zu umreißen.
Denn was dieser Musik ihr allgemeines wie besonderes Gepräge gibt, ist der Charakter einer
gebändigten Vielfalt, deren mannigfache Facetten einerseits auf einen inneren Brennpunkt gebündelt
scheinen, andererseits wiederum von diesem Brennpunkt her nach außen strahlen.
Worte wie Vielfalt und Mannigfaltigkeit treten immer dort ins Spiel, wo von Reichtum die Rede sein
kann. Reichtum ist ein generelles Merkmal für Kalitzkes Handschrift, aber man darf Reichtum
nicht mit Opulenz verwechseln. Es ist diesem Komponisten beileibe nicht primär um äußeren
Aufwand zu tun, wiewohl er die Mobilisierung von Klangmitteln auch nicht unbedingt scheut.
Aber reich - nämlich von innen her - ist seine Musik auch dort, wo sie sich auf wenige
Instrumente beschränkt. Bei Johannes Kalitzke handelt es sich um eine Mannigfaltigkeit nicht des
Aufwands, sondern der Vielschichtigkeit, deren einzelne Parameter in unausgesetzter Wechselwirkung
zueinander stehen, sich gegenseitig bedingen, ergänzen, in Zusammenschluss, Vereinigung,
Summierung zur Integration zusammenwachsen.
Josef Häusler
Helmut Oehring
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik / WER 6534 2 / Erscheinungsdatum: 1997 / 48:52
Dokumentaroper
BITTE SAGEN SIE MIR IHREN NAMEN NOCH EINMAL, ICH HABE IHN BEI DER VORSTELLUNG NICHT DEUTLICH VERSTANDEN
(aus: Irrenoffensive) (1994/95)
Salome Kammer, Stimme - Ulrike Zech, Mezzosopran
Christina Schönfeld, Gerlinde Demel und
Gabriela Arndt, taubstumme Darstellerinnen
Torsten Ottersberg, Live-Elektronik, Interaktion, Sampler, Zuspielband
Georg Morawietz, Klangkonzeption, Realisation
Kammerensemble Neue Musik Berlin
Ltg. Roland Kluttig
Die "Dokumentaroper" entstand 1994, Anfang 1995 im Auftrag der Wittener Tage für neue Kammermusik
und gehört zum Zyklus (aus: Irrenoffensive), der sämtliche Arbeiten mit Gehörlosen umfasst. Sie
ist ein Dokument über das Scheitern von Sprache. Über die Grenzen von Kommunikation. Über die
(Un-)Möglichkeit von Schrift. Und Musik.
Verstehen Sie? Die Körper, die nicht hören können. Verstehen Sie? Die Körper, die nicht sehen
können.
Wo ist die Ohrenklinik? Wo ist die Augenklinik?
Ein Libretto existiert nicht, weder formal, noch inhaltlich. Es gibt keine Rollen, keine
Dialoge, weder einen imaginären Schauplatz noch irgendwelche Handlungen.
Alles ist Szene. Aber die Szene ist nicht alles.
Wenn ich etwas dokumentiere, steht es für nichts. Nur für sich selbst.
In diesem Falle irrt Oehring. Oder ich.
Iris ter Schiphorst
Homepage: www.helmutoehring.de
Volker Staub
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik / WER 6545 2 / Erscheinungsdatum: 1999 / 67:04
Suarogate
für Vokalquartett, Flöte, Trompete, Posaune, Percussion, Stahlsaiten und Motorsirenen
Teil I 17:15
Teil II 13:11
Teil III 22:50
Gundula Anders, Sopran - Consuelo Sanudo, Alt
Eric Mentzel, Tenor - Stephen Grant, Bass
Christoph Erkens, Leitung des Vokalquartetts
Irmela Nolte, Flöte - Tora Thorslund, Trompete
Ivo Nilsson, Posaune - Kuniko Kato, Percussion
Michael Weilacher, Percussion und Glasglocken
Jonny Axelsson, Baumstämme, Stahlsaiten und Motorsirenen
Volker Staub, Stahlsaiten, Motorsirenen und Gesamtleitung
Ob Gegenstände der Natur oder der Zivilisation, Baumstämme oder Metallfässer, sie wurden Volker
Staub zum Klangmaterial im ursprünglichen Sinn des Wortes - so war er gleichsam immer auf
Entdeckungsreise in einem Land der Klänge, baute seine eigenen Instrumente in einer
entschiedenen Abkehr von Megatechnik, einer fast ökologischen Beschränkung der Mittel, eher in der
Nähe zur arte povera, aber auch zu Archaischem. Das wird durch die eigene ÈKlang-ArbeitÇ mit den
alltäglichen Materialien erfahrbar, viel fragmentarischer zwar, und vermittelter als durch den
Import von ÈOriginal-AfrikaÇ, dafür aber in einer heutigen und uns betreffenden artifiziellen
Realität. Der zweite wesentliche Schritt auf diesem Wege war die Adaption von traditionellen Instrumenten
in seine originellen Klang-ÈKonkretionenÇ. Damit wurden diese der Kunstmusik näher gerückt,
zugleich aber die traditionellen Instrumente in einen anderen, umfassenderen historischen Kontext.
Bis heute lebt seine Musik aus diesem Widerspiel, das dazu anregt, die Musik neu zu bestimmen,
ihre Herkunft und gerade auch ihre Künstlichkeit. So wie sich Klänge gegenseitig durchdringen und beeinflussen, so formt in der vorliegenden
Version von Suarogate Volker Staub 23 Kompositionen zu einer höher organisierten Einheit.
Ernstalbrecht Stiebler
Homepage: www.volkerstaub.de
17.07-20.07.06 täglich um 08:00 Uhr
Peter Michael Hamel
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik / WER 6545 2 / Erscheinungsdatum: 1999 / 68:06
Werke:
Violinkonzert in zwei Sätzen 36:37 (1986/89)
I. Toccata 15:19
II. Adagio/Scherzo? 21:14
Christiane Edinger, Violine
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Ltg. Alicja Mounk
Diaphainon 14:37
Materialien zu einer integralen Musik für Orchester (1973/74)
in memoriam Jean Gebser
I. Atomisierung (mental) 01:47
II. Evokation (magisch) 01:48
III. Gegenwärtigung des Ursprungs (archaisch) 02:30
IV. Seelentraum (mythisch 01:34
V. Distanzierung (konkret) 01:20
VI. Fundamente im Seinsgrund (aperspektivisch) 02:42
VII. Wahrnehmung - Wahrgebung (apperzeptiv) 00:33
VIII. Manifestation (diaphon/integral/zeitfrei) 02:18
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Ltg. Hans Zender
Gralbilder 16:52
für Orchester (1981/82)
I. Luzifers Sturz 05:55
II. Christus am Kreuz 06:33
III. Der höchste Ort 04:22
Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks
Ltg. Gerd Albrecht
Die Resonanz auf meine Musik, spürbar in Gesprächen und Briefen, zeigt mir, dass es möglich ist,
nicht nur Eingeweihte in zeitgenössischen Elfenbeintürmen anzusprechen, sondern auch junge
Menschen und Erwachsene aus allen Schichten. Als Komponist und Musiker wende ich mich gegen die
Starrheit und Fixiertheit unseres Musikbetriebs, gegen die bloße "Bewahrung" oder Intellektualität
als Absicherung vor tieferen Erfahrungen.
Peter Michael Hamel
Es gibt keinen Komponisten in seiner Generation, der die Herausforderungen außereuropäischer Musik
so intensiv gelebt und kompositorisch ins Werk gesetzt hätte, wie Peter Michael Hamel. Und die
Vielperspektivität seines kompositorischen Oeuvres widerspiegelt einerseits eine komplexe
Persönlichkeitsstruktur, andererseits aber auch eine vielschichtige sozio-musikalische
Situation, der sich Hamel von Anbeginn stellte.
Wolfgang Burde
Ein Zentralbegriff für Hamel war und ist das "harmonikale" Denken - die Intention der
Vereinheitlichung heterogener Elemente, der Konfliktüberwindung, ja Heilung durch eine neue
multikulturelle Geistigkeit/Geistlichkeit? (die religiöse Dimension solcher Musikalität darf
nicht unterschlagen werden). Hamels Streben nach Harmonie, Konfliktfreiheit, Schönheit ...
machte, auf einer neuen Entwicklungsstufe, Verdrängtes und Unerledigtes namhaft... Hamels Musik
wurde reicher, komplexer, konfliktuöser, sie näherte sich dem avantgardistischen Ton, ohne
freilich auf das harmonikale Urvertrauen je ganz zu verzichten.
Hans-Klaus Jungheinrich
Anton Plate
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik / WER 60501-50 / Erscheinungsdatum: 1986 / 57:43
Werke:
Moon a Pale Imitation 38:29
für Sopran, Tenor und 17 Instrumente in drei Gruppen (1977)
nach folkloristischen Texten und einem Text von J.W. v. Goethe
Gerda Kosbahn, Sopran - Theo Altmeyer, Tenor
Ltg. Anton Plate
Greasy Luck 07:31
für zwei Klaviere (1981)
Gunilde Cramer und Yukiko Sugawara, Klavier
The Sting 11:43
für Sopran, 2 Klarinetten, Horn, Trompete, Schlagzeug, Tonband, Klavier und Streicher (1982)
Roswitha Trexler, Sopran
Ltg. Wolfgang Trommer
In allen drei Werken dieses CD-Porträts spürt das Ohr weniger den stabilen Boden der Tradition
unter seinen Füßen, als den immer wieder durch allerlei Kombinatorik ins Schwanken geratenen
Boden der Vergangenheit.
"Das Zerfetzen der gewohnten Anmutung, Zergliederung bis zum Überdruss, und - fast in den nicht
erklingenden Tönen - kommt endlich die Wahrheit von musikalischer Sprache zum Vorschein, einer
Sprache, die tatsächlich etwas zu sagen hat: nicht die Exposition eines Organismus, nicht die
Töne, die sich selbst bedeuten, sondern die Rührung und der Protest, die beide in der Beschwörung
des Verlorenen liegen."
Anton Plate
Anton Plate wurde 1950 in Hildesheim geboren, studierte ab 1970 Schulmusik in Hannover,
gleichzeitig Theorie bei Heinrich Sutermeister und Alfred Koerppen, lebte 1976 als Rom-Stipendiat
in der Villa Massimo, wurde 1979 mit dem Niedersächsischen Künstlerstipendium ausgezeichnet, lehrt
als Professor für Musiktheorie an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover.
Helmut Zapf
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik / WER 6528 2 / Erscheinungsdatum: 1995 / 76:04
Werke:
rivolto 08:56
für Oboe, Viola und Kontrabass (1989)
Ensemble Recherche: Peter Veale, Oboe/ Englischhorn
Barbara Maurer, Viola - Daniel Mehltretter, Kontrabass
Trio 12:14
für 2 Violinen, 2 Violen, 2 Violoncelli und Kontrabass (1990)
Introitus 04:33
Choral I 02:14
Marciale 01:21
Attaca 01:00
Choral II 01:25
Finale 01:43
Ensemble Oriol Berlin e. V.:
Sebastian Gottschick und Ariadne Daskalakis, Violine
Juan-Lucas Aisemberg und Martin Börner, Viola
Christoph Hampe und Adelheid Schloemann, Violoncello
Janne Saksala, Kontrabass - Ltg. Sebastian Gottschick
Zusammenklang II 10:08
für Oboe, Englischhorn, Posaune, Viola, Violoncello, Kontrabass, Piano und Percussion (1988)
Gruppe Neue Musik "Hanns Eisler": Burkhard Glaetzner, Oboe
Axel Schmidt, Englischhorn - Friedrich Schenker, Posaune
Matthias Sannemüller, Viola - Wolfgang Weber, Violoncello
Dieter Zahn, Kontrabass - Gerd Schenker, Schlagzeug
Gerhard Erber, Klavier - Ltg. Friedrich Goldmann
Zusammenklang III 13:44
für Bläserquintett und Klavier (1991)
Bläservereinigung Berlin: Hermann Wolfframm, Flöte - Dieter Wagner, Oboe
Siegfried Schramm, Klarinette - Christian Wagner, Horn
Dieter Hähnchen, Fagott - Bernd Casper, Klavier
Wandlungen 13:17
für Tape und Posaune (1986)
Johannes Bauer, Posaune
2:1 17:43
für Tape, Bassklarinette und Saxophon (1990)
Ouvertüre 01:09
Intermède I 02:20
Rythme I 02:28
Air 02:21
Intermède II 02:27
Rythme II 02:40
Chorale 02:29
Heiner Reinhardt, Bassklarinette / Saxophon
Helmut Zapf wurde an einer thüringischen Kirchenmusikschule ausgebildet, wo er auch seine ersten
Kompositionsversuche unternahm.
Durch eine mehrjährige Arbeit als Kantor ist für Zapf die barocke Kirchenmusik - insbesondere die
Johann Sebastian Bachs - zu einer gleichsam natürlichen Inspirationsquelle geworden. Dies bezieht
sich weniger auf die kompositorischen Elemente als vielmehr auf die Einheit von
konstruktivistischem und musikantischem Denken, das der Barockmusik jene noch heute spürbare
sinnliche Aktualität verleiht und von dem Zapf in erster Linie sein Musikverständnis ableitet.
Sein Verhältnis zur Tradition ist dabei keineswegs ein museales. Spontan und impulsiv reagiert er
mit empfindlichem Gespür auf äußere Eindrücke. Seit einigen Jahren genügt Zapf die doch stets
distanzierende Niederschrift nicht immer, sondern er bezieht auch das improvisatorische Moment in
seine Stücke ein, um damit dem lustvollen, engagierten Musizieren ein Stück näher zu kommen.
Es ist wohl der Arbeit mit der elektronischen Musik zuzuschreiben, dass Helmut Zapfs Klangfantasie
mit den Jahren immer plastischere Züge annahm. Hatte er in frühen Stücken noch besonders die
fragilen, hauchigen Piano-Regionen bevorzugt, weisen die späteren eine große dynamische
Spannbreite auf und wirken zunehmend energiegeladen. Auch die Anordnung der Musiker auf der
Bühne wird bei den späteren Kammermusikwerken zu einem wichtigen kompositorischen Element, da
Zapf auf eine Verschmelzung der einzelnen Instrumentalstimmen zu einem ausgefeilten Gesamtklang
abzielt.
Homepage: www.helmutzapf.com
Joachim Krebs
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik / WER 6526 2 / Erscheinungsdatum: 1994 / 71:26
Werke:
2. Streichquartett - Quartettomanie (1979/80) 24:30
Brahms-Quartett:
Uwe Martin Haiberg, Violine - Günter Marx, Violine
Reiner Johannes Kimstedt, Viola - Dieter Göltl, Violoncello
RHIZOM II 26:38
für 5 Schlagzeuger (1982)
Robyn Schulkowsky, Schlagzeug
Offene Ringe 20:18
Klangskulptur für Orchester (1989)
Junges Philharmonisches Orchester Stuttgart
Ltg. Manfred Schreiner
In einem Interview aus dem Jahre 1981 hat Krebs sich unmissverständlich zu den damaligen westdeutschen
Tendenzen bekannt, auch zur so genannten "Neuen Einfachheit". Dabei ging es ihm weniger um Konzessionen an
ein breitestes Publikum als um die Anknüpfung an frühere, womöglich verständlichere Traditionen der Neuen
Musik, etwa bei Alban Berg oder beim frühen Webern: Hier ist eine 'Sprache', die ... heute noch
verständlich ist und die heute wieder individuell gestaltet werden kann. In diesem Sinne kennzeichnet
Krebs auch seine eigene Position: "Es ist ein Ausdruckswille da, der sich nur von einer 'Normalposition'
gesehen in Extremen abspielt, für mich aber nicht extrem ist."
An anderer Stelle äußert Krebs sich noch prononcierter: "Darum geht es mir: Extrempositionen zu leben und
davon auch Ausdruck zu geben. Das ist eminent politisch. Der Mittelweg ist der Tod. Mittelmäßiges Leben
gibt es für mich nicht, und deshalb kann es sich nicht ausdrücken in meiner Musik."
So ergibt sich "Neue Einfachheit" in einem genauer eingegrenzten Sinne: Nicht "Neue Einfachheit" in dem
Sinne, dass es einfacher wird zu komponieren oder zu interpretieren, sondern für den Zuhörer leichter
wird die Musik für sich nachzuvollziehen.
In den frühen siebziger Jahren spielten für Joachim Krebs Rockmusik und Elektronische Musik eine
wichtigere Rolle als die Traditionen und Aufführungspraktiken der "Ernsten Musik". Seine
Hinwendung zum Streichquartett in den späten siebziger Jahren markiert deswegen in seiner
Entwicklung einen wichtigen Wendepunkt, manifestiert sie doch die Umorientierung zur exakt im
Voraus notierten Musik - [...] in direkt verständlicher, ausdrucksintensiver Sprache.
Rudolf Frisius
Homepage: www.topophonien.de/ssjk/schkre/doks/frkr/startkr.htm
Bernfried E. G. Pröve
CD Deutscher Musikrat Edition Zeitgenössische Musik / WER 6544 2 / Erscheinungsdatum: 1999 / 70:41
Werke:
Salto 08:17
für Klavier solo (1991-93)
James Avery, Klavier
Alliages-Métaboles 11:33
für vier Instrumente und Elektronik (1995)
I Signal - Expulsion 06:23
II Repulsion - temps/couleur 05:09
Ensemble Court-Cicuit
Ltg. Pierre-André Valade
Entzeichnung I 04:56
für Flöte solo (1988)
Isabelle Hureau, Flöte
Es-Trace II 07:07
Musik in memoriam Luigi Nono
für zwei Flöten und Elektronik (1994/98)
Teil I 04:17
Teil II 02:49
Isabelle Schnöller, große Flöte in C - Robert Aitken, Bassflöte
Dies-Transfiguration 04:56
für Posaune und Tonband (1996-97)
Mike Svoboda, Posaune
Glocken 05:20
Hommage à Isang Yun
für Schlagzeug und Klavier (1996-97)
Isao Nakamura, Schlagzeug - Kaya Han, Klavier
Air 10:05
für Bassflöte und Ensemble (1994-95)
I 04:14
II 05:49
Carin Levine, Bassflöte
Ensemble Köln
Ltg. Robert HP Platz
Die gefaltete Zeit 10:53
für Streichensemble, Klavier und Schlagzeug (1996)
Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Ltg. Thomas Klug
Instances II 07:36
für Streichtrio (1997)
I 01:41
II 02:10
III 03:44
Ensemble musica viva Hannover
Mittels verschiedener Verfahren einer kompositorischen Tiefenstrukturierung bringt Pröve, der eine
Vorliebe für spektrale Harmonik hat, in seinen Stücken vielschichtige Perspektiven zum Klingen. Ob er
in einzelnen Werken geometrische Strahlensätze als Bezugspunkt für Gestaltung der Proportionen, der
Dichte und der Form wählt, ob er rhetorische Modelle oder den Goldenen Schnitt der Gestaltung zugrunde
legt, oder ob er die Grenzen der spieltechnischen Möglichkeiten überschreitet, ja illusionär aufhebt:
stets entsteht eine außerordentlich expressive Musik mit feinsten Farbnuancierungen.
Das Eindringen in ungehörte Klangbereiche, der Vorstoß in "un-erhörte" Grenzbereiche zwischen Ton und
Geräusch meint ein Vordringen in Klangwelten, die auch Extremes und Frenetisches zum Ausdruck bringen -
Pendant zu den zarten, filigranen Texturen und differenziert ausgehörten †bergängen, die in geheimnisvoller
Weise immer neue Klangabenteuer erleben lassen.
Vielfältige Improvisationserfahrungen und die Erforschung sowie kompositorische Verwendung neuer
mikrotonaler Skalierungen verbinden sich in den Werken Pröves zu Funktionszusammenhängen zwischen
spektraler Harmonik, Vierteltonharmonik und Naturklangharmonik - zu einer Musik, die in ihrer
Verbindung von klangsinnlicher Direktheit, formaler Stringenz und Perspektivenreichtum etwas
auszusagen vermag auch über die Grenzen des Bereichs der avancierten Neuen Musik hinaus.
Hartmut Möller
Homepage: www.proeve.net
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